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Impressionen eines Aufenthaltes in Äthiopien im Mai 2016

Artikel vom 31.08.16

Ausdehnung des Einsatzes für Äthiopien?


Besuch des Attat-Hospitals

Im Mai 2016 war Dr. Reidick zu seinem nunmehr 12. Aufenthalt in der Lulitta-Clinic in Addis Abeba und hat dort zahlreiche chirurgische Behandlungen durchgeführt.

Unterstützt wird Dr. Reidick bei diesem Projekt in der Vorbereitung und Organisation vom Team der Praxis Reidick & Seibel. Begleitet und vor Ort unterstützt wurde er dieses Mal durch seine Ehefrau Susanne Franke-Reidick und seine Kollegin Franziska Freitag aus der Praxis.

Die Lulitta-Clinic in Addis Abeba wird von Fr. Dr. Tsehay Berhane geleitet, die im Jahr 2000 den Entschluss gefasst hatte, in ihr Heimatland, aus dem sie viele Jahre zuvor flüchten musste, zurückzukehren und beim Aufbau Äthiopiens zu helfen. Zuvor lebte sie mit ihrer Familie 20 Jahre in Kassel und war dort als Zahnärztin tätig. Als Kollegin bestand der Kontakt zu Dr. Reidick, an den sie während ihrer Zeit in Kassel ihre chirurgischen Patienten überwies. Auf eine entsprechende Bitte und Anfrage von Frau Dr. Berhane flog Dr. Reidick erstmals im Jahr 2002 nach Addis Abeba.

Seither hat sich unglaublich viel in Äthiopien getan, das Land gehört derzeit zu den am schnellsten wachsenden Ländern, obwohl es zugleich immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Aber besonders in der Hauptstadt Addis Abeba ist die Entwicklung in allen Bereichen rasant, es herrschen ein kaum vorstellbarer Bauboom und eine hohe Motivation der Menschen nach Fortschritt.

Dies gilt natürlich auch für den medizinischen Sektor und so haben auch hier in den vergangenen Jahren dramatische Entwicklungen stattgefunden. Inzwischen sind in Addis Abeba moderne Diagnostik-Geräte vorhanden, aber natürlich nur in sehr geringer und bei weitem nicht ausreichender Zahl. Die Lulitta-Clinic wurde durch Frau Dr. Tsehay Berhane mit Unterstützung durch Dr. Reidick, Marion Wenzel aus dem Team der Praxis Reidick & Seibel und Dr. Christoph Blaschke nach und nach erweitert und auf modernen Stand gebracht. So verfügte die Klinik beispielsweise über das erste Panorama-Röntgengerät, moderne Sterilisatoren sind eine Selbstverständlichkeit.

In Äthiopien werden inzwischen Zahnärzte im Lande ausgebildet und müssen nicht mehr ihr Studium im Ausland absolvieren. Es besteht bei den Studierenden und bei den Zahnärzten eine hohe Wissbegierde. So nutzten mehrere junge Zahnärzte den Aufenthalt von Dr. Reidick in der Lulitta-Clinic zur Hospitation und nahmen sich für diese Woche extra Urlaub.

Neben dem inzwischen routinierten Abarbeiten der chirurgischen Behandlungen in der Lulitta-Clinic spielte daher bei diesem Aufenthalt die Frage nach einer möglichen Erweiterung unseres Engagements in Äthiopien eine wichtige Rolle. Zu diesem Zwecke reisten Dr. Reidick, Susanne Franke-Reidick und Franziska Freitag in Begleitung von Frau Dr. Tsehay Berhane und Dr. Mulualem Tegnegwerk, Präsident der Dental Ethiopian Association an die Universität von Jimma und besuchten das Attat-Hospital sowie das St. Paul’s Hospital in Addis Abeba.

Das Attat Hospital ist ein Krankenhaus der katholischen Kirche Äthiopiens und seit 45 Jahren in Betrieb. Es befindet sich zirka 175 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Addis Abeba, im Gurageland, eine der ärmsten Regionen Äthiopiens. Die Missionsärztlichen Schwestern ha­ben das Krankenhaus 1969 gegründet und sind weiterhin in leitender Funktion. Das Attat Hospital ist die nächst höhere Überweisungsinstanz für 23 größere und kleinere Gesund­heits­zentren. Es betreut ein Einzugsgebiet von rund einer Million Menschen mit einem Einzugs­radius von zirka 100 Kilometer. Mehr über diese wunderbare Einrichtung finden Sie hier.

Das Attat-Hospital verfügt seit einigen Jahren über einen sehr gut eingerichteten zahnärztlichen Behandlungsraum, es fehlt lediglich die Möglichkeit zum Röntgen und bisher konnte kein Zahnarzt gefunden werden, der bereit war, dort zu arbeiten.

Bei unserem Besuch spendete Fr. Dr. Tsehay Berhane spontan ein Röntgengerät der Lulitta-Clinic und mit Unterstützung von Dr. Mulualem Tegnegwerk konnte noch während unseres Aufenthaltes in Äthiopien eine Zahnärztin gefunden werden, die bereit ist in naher Zukunft in Attat zu arbeiten. Unsere Praxis wird das Projekt weiterhin unterstützen.

Die Universität von Jimma war die erste in Äthiopien, die ein Studium der Zahnmedizin eingeführt hat und seit einigen Jahren Zahnärzte ausbildet. Dennoch besteht nach europäischem Standard noch eine immense Mangelsituation. So gibt es an der Universität noch kein Röntgengerät, mit dem Übersichtsaufnahmen der Kiefer angefertigt werden können und auch noch kein Computertomogramm (CT). Die allermeisten der vorhandenen Zahnarztstühle funktionieren derzeit wegen technischer Mängel nicht.

Dennoch ist die Motivation der Lehrenden und der Studenten enorm groß. Wiederholt war Dr. Reidick bei vorangegangenen Aufenthalten nach einem Unterrichts-Angebot für die Universität Jimma gefragt worden. Bei den zwei von Dr. Reidick mit der Dental Ethiopian Association bisher organisierten Workshops war jeweils die Beteiligung von Studenten groß gewesen. Aus diesem Anlass gab es ein Gespräch mit dem Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. Abraham über eine mögliche Unterstützung.

Die Universität von Jimma unterhält bereits Patenschaften mit den Universitäten von München, Bergen und Oslo, die aufgrund ihrer Größe sicherlich auch eher in der Lage sein werden, die nötige technische und personelle Unterstützung zu gewährleisten als unsere vergleichsweise kleine Praxis. Die Ausrichtung einzelner theoretischer Lehrveranstaltung mit der Vermittlung praktischer Fähigkeiten wird sich realisieren lassen.

Eine breitere Möglichkeit zum Engagement unserer Praxis sehen wir derzeit mehr am St. Paul‘s-Hospital in Addis Abeba. Nach unseren Maßstäben ließe sich dieses Krankenhaus als Lehrkrankenhaus der Universität Jimma bezeichnen. Kollegen in der Ausbildung zum „Maxillo-facial-Surgeon“ verbringen immer wieder mehrere Monate in regelmäßigen Abständen dort, sodass diese praktische Ausbildung durch uns unterstützt werden könnte. Wir werden in den nächsten Monaten darüber entscheiden.

Um die materielle Ausstattung der Kliniken und des Attat-Hospitals zu verbessern sollen entsprechende Instrumente und Geräte angeschafft werden. Die Gründung eines Unterstützer-Vereins (DentOpia) ist für die nahe Zukunft fest eingeplant gemäß dem Motto: „Eine gute Vision erwächst aus der Balance zwischen Realitätssinn und Utopie. Visionen sind das gerade noch Machbare.“ Hermann Simon, Havard-Buisiness-School

Der nächste Aufenthalt in Äthiopien ist für November 2016 vereinbart.

Impressionen zum Aufenthalt in unserer Fotogalerie.